Das gebuchte Hotel Dimitrios befindet sich, wie bereits im vorherigen Beitrag angedeutet, in dem kleinen Städtchen Rethymno. Und hier ist auch schon das erste Problem: ist es eine Stadt, ein Ort oder doch ein Dorf? Laut wikipedia.de hat Rethymno rund 80.000 Einwohner, laut den einheimischen Reiseleitern nur rund 37.000. Einig sind sie sich immerhin dabei, dass es sich um die drittgrößte Ansammlung von Menschen (nach Iraklio und Chania) an einem Fleck auf Kreta handelt - nennen wir diese in Zukunft Städtchen.
Übrigens: Wie wird es nun eigentlich geschrieben? Rethymno, Rethymnon, Rhethymnon oder Rethymna? Alle Schreibweisen habe ich irgendwo gelesen. Selbst die Kreter scheinen sich nicht ganz einig zu sein. Am plausibelsten scheint jedoch Rethymno zu sein, da es so auf den Verkehrsschildern mit lateinischen Buchstaben zu lesen war.
In diversen Reiseführern werden insbesondere der Armondi-Brunnen und die Fortezza als sehenswert eingestuft. Der Brunnen (oder das was davon über geblieben ist) ist zumindest aus architektonischer Sicht und meiner laienhaften Einschätzung nach nichts besonderes. Vielleicht gibt es, mir jedoch nicht bekannte, historische Gründe für die hohe Wertschätzung dieses Wasserschauspiels. Die Fortezza hingegen finde ich sehr eindrucksvoll. Die ehemals mächtige Burg entstand unter venezianischer Herrschaft zur Verteidigung gegen See- und Landangriffe der Türken - die sie und das Städtchen im 17 Jhd. jedoch trotzdem eroberten. Leider ist außer den Grundmauern und einiger weniger Gebäude nicht mehr viel erhalten. Dennoch ist sie der Eintritt Wert. Insbesondere können auch sehr schöne Fotos von der Umgebung geschossen werden, da die Burg geschätzte 30 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit die Stadt weitesgehend überragt.
Der Baustil der Häuser ist meist schlicht und folgt fast immer dem selben Prinzip: dicke Wände, einfache Fenster und Türen und eine thermische Solaranlage auf dem Dach (und das wirklich auf fast jedem!). Besonders in der Altstadt drängt sich ein Haus an das nächste und viele Gassen sind so schmal, dass kein Auto hindurchfahren kann. Wahrscheinlich sind deshalb Motorroller bei den Kretern sehr beliebt. Wo wirklich Nachholbedarf besteht, ist beim Gehwegsbau! Entweder sind diese so extrem schmal, dass bereits eine Person schon fast überbreit ist oder sie sind so brüchig und holprig, so dass Wanderschuhe das Schuhwerk der Wahl sind. Das schlimmste sind jedoch die nett gemeinten Palmen in der Mitte des Gehwegs entlang der Strandpromenade. Diese Pflanzen sind leider so breit, dass ein gemütliches Schlendern bei kühler Meeresbriese schnell in einem Slalomlauf endet!
Allgemein ist das Städtchen sehr auf Tourismus ausgerichtet. Es gibt zahllose Tavernen und Restaurants sowie an jedem Eck und in jeder Gasse mindestens einen kleinen Souvenierladen. Auch gibt es wohl für jeden Geschmack und Geldbeutel das passende Hotel in der Stadt oder am langen Sand-/Kiesstrand. Ich vermute übrigens, dass der "Sandstrand" künstlich angelegt ist oder zumindest stark nachgeholfen wird, dass er so aussieht wie er aussieht. Bereits nach wenigen Metern im Meer läuft es sich nicht mehr so angenehm und auch beim Graben im Sand stößt man schon nach ein paar Minuten auf immer größere Kieselsteine.
Alles in allem ist Rethymno zumindest im Vergleich zur Hauptstadt Kretas Iraklio ein sehr angenehmes Urlaubsziel und sowohl für Strand- als auch für Abenteuer-/Wanderurlauber empfehlenswert.
Kommentare
Zusatzinfos der mitgereisten Urlauberin
Ich vermute, die Schwankungen in den Einwohnerzahlen sind in der Gebietsabgrenzung begründet. Kreta besitzt vier Bezirke/Teile: Chania, Rethymno, Iraklio und Agios Nikolaos (oder so) - die sind jeweils nach den größten dort befindlichen Städten benannt. Unser Hotel lag ja auch im Bezirk Retymno, aber nicht direkt in der Stadt.
Ich bin auch nicht schlau geworden, was den korrekten Stadtnamen betrifft. Wären die Unterschiede nur in der lateinischen Schriftweise gewesen, hätte ich alles auf Übersetzungsprobleme geschoben. Aber auch der griechische Name variierte stark. Rithymno gab es auch.
Sämtliche Dattelpalmen auf der Insel sind übrigens angepflanzt worden. Natürlich wertet ein bisschen Grün die sonst kahle Promenade auf. Nur stimmt es eben leider, dass diese Pflanzen viel zu dick sind für die Gehwege. Man könnte meinen, es würde besser werden, wenn die Palmen erst so hoch sind, dass man unter den Blättern hindurchgehen kann. Aber dann ist der Stamm zu dick. Grundsätzlich sind sie aber eine schöne Ergänzung zu den Oleander-, Fikus- und Maulbeerbäumen und den wuchernden Bougainville-Sträuchern in Rosa, Weiß, Orange und Dunkelrot.
Ansonsten läuft man an der Promenade immer an Tavernen, Supermarkets (mit Getränken, Tüchern, Mützen und sämtlichen Strand- und Badeutensilien) und Autovermietungen vorbei. Dazwischen ab und an ein Hotel. Es wird viel gebaut, Baulärm war aber selten. Bei schönem Wetter scheint dort niemand wirklich arbeiten zu wollen, hatte ich das Gefühl.
Ich glaube übrigens nicht, dass der Sandstrand künstlich ist. Es fiel aber auf, dass er sich ständig verändert hat. Nach einem kleineren Sturm in der Nacht lag der Kies plötzlich auf dem Strand und nicht mehr knapp im Wasser. Leider gab es überhaupt keine Muscheln. Durch Zufall habe ich einen kleinen Seeigel gefunden, das war aber auch schon alles.
In Rethymno gibt es immer mal wieder Souvenirläden mit kleinen und großen Figuren aus Olivenholz. Kochgeschirr, Tiere, romantisch verschlungene Figuren... alles war dabei. Auffällig war, dass die Kreter den Fruchtbarkeitskult der alten Minoer wohl sehr interessant finden. Es gibt Holzpenisse mit Flaschenöffnern daran. Große Holzpenisse, Figuren mit überdimensionalen Geschlechtsteilen und auch ein paar Frauenfiguren zusammen mit überdimensionalen Penissen, auf denen sie sitzen oder an die sie sich anlehnen. Bei der sitzenden Figur war der Penis übrigens unter ihr gebogen. Wo sollte er auch reinpassen? Schließlich war er dicker als die ganze Frauenfigur. Wem das zu anstößig ist, kann sich einen chinesischen Drachen kaufen, der dann aber natürlich nicht viel mit Kreta zu tun hat.
Ich kann mich dem voll und ganz anschließen, dass Rethymno ein sehr schönes Fleckchen und zum Glück auch ganz anders als Iraklio ist.
Und, auch ein bisschen
Und, auch ein bisschen Griechisch gelernt, oder spricht man dort deutsch? :-)
Ohne einem zukünftigen Post
Ohne einem zukünftigen Post über mein neues Lieblingswort vorgreifen zu wollen: sprechen fast alle sofort englisch und manchmal auch etwas deutsch. Außer den üblichen Standardsätzen wie Hallo, Tschüss und Danke habe ich jedenfalls nicht viel auf griechisch gelernt... ;)
Ganz vergessen bei der
Ganz vergessen bei der kretischen Pflanzenaufzählung: Granatäpfel, Kaktusfeigen, Quitten, Johannesbrotbäume, Zitrusfrüchte (vermutlich waren es Orangen), ganz viele endemische Kräuter (keine Ahnung, was das heißt, erzählt einem aber jeder) wie Rosmarin, Thymian und Salbei und natürlich ganz viele Olivenbäume. Ich war überrascht, wie grün die Insel noch war im Herbst.
Ich glaube "Rethymno" heißt
Ich glaube "Rethymno" heißt soviel wie "nach Rethymnon". Männliche Griechische Vornamen änden auch alle auf os, wenn man einen anspricht, sollte man das s weg lassen. Da gibts noch mehr so sachen. Aber 100%ig bin ich mir da jetzt nicht so sicher.
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