Die Mili Schlucht

Wieder ging es mit dem "Happy Train" auf Tour. Diesmal zur nahegelegenen Schlucht der Mühlen (Mili ist griechisch und heißt Mühle). Aufgrund von leichtem Nieselregen und einer großen Anzahl an Mitfahrern wurde es dem Bähnlein schon auf halber Strecke zu rutschig und die Tour musste etwas früher als geplant zu Fuß fortgesetzt werden (es streikte schließlich sogar der Motor, vermutlich wegen Überhitzung).
Schon bald erreichten wir den Eintritt in die Schlucht (siehe Bild). Nach einem kurzen Abstieg ging es einige Male über den kleinen Bach (der früher wohl mal ein Fluss gewesen sein muss), der sich durch die Schlucht schlängelt, quer durch die Vegetation und stetig bergauf. Der Tourguide wies darauf hin, dass man doch "slowly slowly" laufen und unbedingt stehen bleiben soll, wenn man sich etwas anschauen will. Mir wurde schon bald klar warum: des öfteren führte der (sehr) schmale Pfad direkt am Abgrund entlang. Ein falscher Tritt und Schwupps hätte sich die Lageenergie in kinetische Energie umgewandelt.
Doch es ist niemand zu Schaden gekommen und schon bald wurde die erste Ruine einer Mühle erreicht. Das besondere an der Schlucht ist nämlich, dass früher etliche Mühlen durch ein Kanalsystem hintereinander "geschaltet" waren und so die Energie des Fluss nacheinander ausnutzten. Die Schlucht und auch das Dorf kamen auf diesem Wege zu ihrem/seinem Namen: Mili.
Nach gut eineinhalb Stunden, etwa 250 Höhenmetern und zahllosen "slowly slowy"-Kommentaren des Tourguides erreichten wir schließlich das Geisterdorf Mili. Es handelt sich dabei wieder mal nur um rund 5 Uralte Häuser, wovon eines zu einem kleinen Cafe umfunktioniert wurde. Die restlichen Häuser schienen mittlerweile umbewohnt und stark verfallen zu sein. Die (frischen) Getränke des Cafes werden übrigens über einen Seilzug von der anderen Seite der Schlucht, wo die Straße entlang führt, heran transportiert. High-Tech mitten in der Pampa!
Nach einem, meiner Meinung nach überflüssig langen, Verpfelgungsstopp ging es noch einmal ein paar Meter nach oben und über eine kleine Brücke zur bereits angesprochenen Straße. Von Dort ging es mit dem "Happy Train" weiter zum letzten Rastpunkt, einer Taverne in einem abgelegenen Dorf und nach einem Mittagessen schließlich wieder zurück nach Rethymno.
Die Tour kostet ebenfalls 15 € (buchbar über Talos Express) und dauerte knapp fünf Stunden. Für alle Hobbywanderer eine ideale Gelegenheit die eigene Fitness zu testen und sich geschichtlich und botanisch über Kreta weiterzubilden. Erfahrene Wanderer können die Schlucht sehr wahrscheinlich auch alleine bewältigen. Einfach den (hässlichen) Kunststoff-Wasserrohren folgen!
Übrigens: Der Tourguide betonte mehrmals, dass der Regen gut für die Haut ist ("The rain is good for the skin!"). Das kuriose dabei ist, er meinte das wohl ernst und nicht nur als Aufmunterung!

Kommentare

noch ne Anmerkung...

Mich hat es fasziniert, wie stark sich die Vegetation schon nach wenigen Höhenmetern ünterscheidet. Unten am Bach steht man geschützt unter dichtem Laubwerk, am Bach wächst hier und da sogar plötzlich Lotus oder eine Bananenpflanze. Schon wenige Meter weiter läuft man durch Kiefernnadeln und unter Hartlaubgewächsen. Allgegenwärtig sind schroffe Kalksteinwände mit vielen Höhlen, die früher den Ziegen und Schafen als "Stall" gedient haben im Winter. Im Frühling blüht die Schlucht bestimmt überall.
Der Halt an der ersten Taverne am Schluchtenausgang war wirklich sehr lang. Wollten wir uns vor dem immer wieder einsetzenden Regen schützen und uns dort unterstellen, hätten wir den ganzen Zigarettenqualm ertragen müssen. Zumindest hatten wir genug zu trinken und zu essen mit. Übrigens kam kurz danach die Sonne raus - typisch Kreta. Auch im Winter soll es maximal fünf Tage nacheinander regnen, danach herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Noch kurz zuvor stiefelten wir bei 25°C oben an der Schlucht durch dichtes Gebüsch im Regen. Zieht man da den nassen Pullover aus, weil so sehr schwitzt, und holt sich eine Erkältung oder lässt man den Pullover an und bekommt trotzdem eine Erkältung? Manchmal fühlte es sich sehr wie ein Regenwald an.
Die zweite Taverne, in der wir mittagessen konnten, wurde uns zwar vom deutschen Tourguide empfohlen wegen des guten Essens, ich wusste aber nicht so richtig, wo sich das tolle Essen versteckt haben sollte. Soutzoukakia hießen unsere Fleischklößchen, etwas Besonderes waren sie aber nicht. Eigentlich wurde im Tourheft angekündigt, dass wir in einem Ort sehen würden, wie Olivenöl hergestellt wird - klang mal wieder sehr nach Kaffeefahrt. Aber dank der extrem langen Pausen wurde das wohl gestrichen.
Überhaupt sollte man vielleicht bei der Buchung der Reise fragen, ob sich schon sehr viele Teilnehmer angemeldet haben. Unser Zug war definitiv zu voll und dann auch noch mit Rentnern. Die Hälfte ist nicht mal mitgekommen durch die Schlucht, sie warteten einfach die lange Zeit in der Taverne und tranken einen Kaffee nach dem anderen. Und wehe, man wagt es einmal, sich an einen anderen Platz in der Bahn zu setzen!! Man will vielleicht nur nicht zehn andere Leute vor sich noch mal rausscheuchen, damit man zu "seinem" Platz kommt, und setzt sich eben woanders hin, und schon geht eine Diskussion los, die selbst Kindergarten-Kinder albern finden würden...
Was war denn High-Tech an dem Flaschenzug? Übrigens befanden sich nur Bierkästen daran. Aber er sah aus, als hätten ihn schon die alten Römer problemlos anbringen können.

Flaschenzug

Das war auch ironisch gemeint. Aber eigentlich ist es auch gar nicht so fern von der Realität. Ansonsten sah alles noch brüchiger aus....

Ich glaube, du übertreibst

Ich glaube, du übertreibst immer ein bisschen, wenn du von diesen vielen lebensgefährlichen schmalen Pfaden und gähnenden Schluchten erzählst ;-)

Nein!

Also der Trampelpfad war an manchen Stellen wirklich 50cm breit und direkt daneben ging es locker 30m runter. Wie gesagt, wenn man aufgepasst hat wo man hin tritt, war es kein Problem. Aber ein Kind hätte ich da nie lang laufen lassen!

Haha, in dem Fall übertreibt

Haha, in dem Fall übertreibt er wirklich nicht! :) War ganz ehrlich extrem schmal und man musste gut hingucken, dass man nicht auf rutschige Steine tritt. Meistens haben beide Füße gerade so nebeneinander gepasst und man konzentriert sich auf den nächsten Schritt, um nicht runtergucken zu müssen. Vielleicht sieht man das sogar auf ein paar Fotos, mal suchen...

Weg

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