Hotel Dimitrios

Das Hotel Dimitrios (nicht Dimitrios Village!) hat 3 1/2 Neckermann-Sterne und trifft diese eigentlich auch gut. Allerdings muss man sich natürlich bewusst sein, dass die Bewertungen auf Kreta ähnlich sind wie im restlichen Mittelmeerraum, also absolut nicht vergleichbar mit deutschem Standard. Teilweise erinnerte es etwas an eine bessere Jugendherberge, aber man kann es dort gut aushalten. Bei der Ankunft fuhren wir mit unserem Shuttlebus zuerst an teureren Hotels vorbei und landeten schließlich in der engen Seitenstraße neben "Michael's Rent Rooms", wo wir uns fragten, welche armen Leute wohl hier wohnen würden. Tja, wir waren es, aber natürlich im benachbarten Hotel. Es ist eher klein und seit Beginn in Familienhand. Parties und nervende Animateure findet man hier zum Glück nicht. Mit Englisch und Deutsch kommt man an der Rezeption gut zurecht. Sofort wurden wir durch verwinkelte Gänge in das vermutlich hinterste Zimmer geführt. Sofort fiel auf, wie klein das Zimmer war. Nur ein sehr schmaler Gang führte um das Bett herum zum Balkon bzw. zum Bad und der Tür. Einige Möbelstücke hätte man ruhig weglassen können: ein großer Schrank stand im Zimmer, ein langer Tisch unter einem Spiegel, eine große Kommode, Nachttische und Hocker. Der Fernseher war wenigstens auf einer Wandhalterung gelagert und mit einem lustigen Gurt festgezurrt. Außerdem gab es noch einen großen abgeschlossenen Kühlschrank, den man gegen Gebühr nutzen konnte. Wir wollten ihn nicht und zogen unüberlegt abends gleich mal den Stecker, da das Brummen natürlich stört. Am nächsten Tag war blöderweise der Boden nass. Nass war er jedoch sowieso ständig, da man gerne mal lieber mit Badelatschen duscht aus Angst vor Insekten. So viele waren es dann jedoch gar nicht. Wir waren nur verschreckt von der Begrüßungskakerlake, die aber netterweise ihre drei Milliarden Verwandten irgendwo anders gelassen hatte. Das Bad ist genauso winzig wie das Zimmer. Alles in allem kann man es gut aushalten. Man merkt der Einrichtung das Alter an, aber die Bettwäsche ist frisch und der Raum geputzt.
Da wir erst so spät ankamen, konnten wir nicht mehr zum normalen Abendbuffet gehen. Stattdessen bekamen wir an der Bar je einen Teller mit kalten Sachen und Brötchen. Zum Glück war das nicht das, was es sonst zu essen gab, lecker war es nämlich ganz und gar nicht. Wurst und Käse vom Frühstück und dazu merkwürdig eingelegtes Gemüse.
Normalerweise gab es zum Frühstück Brötchen, Kuchen, Kekse und Weißbrot, Wurst, Käse, viel Marmelade und Honig, Gurken und wechselnde warme Kleinigkeiten wie Würstchen und Rührei, an das ich mich aber nicht gewagt habe. Man muss auch keine Angst haben vor dem für deutsche Mägen ungewohnten grieschichen Kaffee - an einer kleinen Jacobs-Kaffeemaschine kann man sich entscheiden zwischen coffee, coffee creme, coffee with milk (zuerst kommt Kaffee in die Tasse, dann Milch, dann Milchschaum), cappuccino (zuerst Milch, dann Milchschaum, dann Kaffee) oder hot chocolate. Heißes Wasser für Tee steht auch zur Verfügung. Außerdem findet man auch hier die im Mittelmeerraum beliebten extrem süßen Säfte, die vermutlich aber nie eine Frucht gesehen haben. Man wird also satt.
Beim Abendbuffet wechseln die warmen Speisen, aber immer gibt es Fisch, Fleisch, Geflügel und Gemüse. Dazu eine wirklich reichhaltige Auswahl an Salaten, dazwischen auch leckere Nudel- und Kartoffelsalate. Mühe gab sich der Koch bei den großen Sahnetorten, Cremes, Wackelpuddings und keksartigen Dingern. Allerdings ist es eben kein Sternekoch. Die Torten waren immer gleich aufgebaut: Buiskuitschicht, dicke Sahnecreme, Buiskuit, noch mehr Sahne und oben drauf wechselnde Frucht- oder Schokoschichten mit Deko. Kein Highlight, aber durchaus ganz nett. Irgendwie scheint der Koch aber zuviel Gelatine oder Sahnesteif gehabt zu haben. Mit weniger hätte die Creme trotzdem gehalten, hätte aber nicht mit dem Messer geschnitten werden müssen... Okay, ganz so schlimm war's nicht, aber fast. Getränke muss man, wie überall, abends extra zahlen.
Es gab noch zwei Katzen. Die eine war schlank wie die anderen kretischen Katzen, die andere war selbst für deutschte Verhältnisse ziemlich pummelig und hat die kleinere immer verscheucht. Die beiden schlichen abends um die Tische und bettelten nach Essen, das Katzen eigentlich nur krank macht. Viele der älteren Gäste (in der Nachsaison ist das Altersspektrum ja leider oft sehr einseitig) fütterten die Tiere mit allem möglichen. Aber wenn man nicht auf den Boden warf, waren die Katzen auch schnell wieder weg und nervten einen nicht, schlichen um die Beine oder ähnliches.
Tja, was kann man noch berichten... Ein kleiner Pool ist vorhanden, der aber fast den ganzen Tag im Schatten liegt. Und der Barkeeper soll berühmt sein für seine Witze und seinen Charme... Ja, er war höflich und hat einen immer angelächelt, aber das war's auch.

Das Hotel liegt etwa 100m vom Strand entfernt und ist ruhig. Wer keine besonders großen Ansprüche stellt und auch mit einer einfachen, aber nett geführten Unterkunft zufrieden ist, ist hier richtig!

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