Fruktosemalabsorption - Fruktosefehlverdauung

Da ich selbst kaum Infos über Fruktosefehlverdauung im Internet finden konnte, werde ich hier meine Erfahrungen mit dieser Überempfindlichkeit veröffentlichen. Vielleicht kann ich damit anderen Menschen helfen, die ebenso ratlos wie ich früher von einem Arzt zum anderen rennen. Wenn jemand weitere Tipps hat oder Fehler findet, schreibt bitte einen Kommentar :)

10 Jahre lang habe ich jeden Arzt gefragt, warum ich immer öfter unregelmäßig auftretende Bauchschmerzen und -krämpfe habe bzw. mich damit rumschlagen muss, dass mein Bauch manchmal gluckernde Geräusche macht (natürlich am liebsten während Klassenarbeiten, wenn alle um einen herum still sind. Zum Glück wurde es meist für Magenknurren gehalten). Doch jeder Arzt sagte mir, dass er noch nie von so einer Symptomatik gehört habe. Das fand ich sehr merkwürdig, da die Artikel in Zeitschriften über (meist) Frauen, denen es ähnlich geht, stetig zunahmen. Außerdem gab es plötzlich ganz viele dieser Activia-Joghurts und Tabletten gegen genau diese Symptome. Irgendwann hörte man überall, der Grund wäre „Reizdarm“. Mittlerweile habe ich rausgefunden, dass es tatsächlich eine Krankheit mit diesem Namen gibt, die aber etwas ganz anderes bezeichnet.Auch Allergien gegen bestimmte Lebensmittel konnte ich durch Ernährungsumstellungen nicht erkennen.

Schließlich fand ich endlich einen Arzt, der mir tatsächlich zuhörte und eine Untersuchung auf Laktose- und Fruktosefehlverdauung veranlasste (Fruktoseintoleranz ist übrigens etwas anderes und tritt sehr selten auf). An zwei Tagen musste ich sehr früh auf nüchternen Magen einen halben Liter heißen Pfefferminztee mit Laktose bzw. Fruktose innerhalb von zehn Minuten trinken. Jeder, der weiß, wie süß Fruktose ist, kann sich sicher denken, dass mir danach eine Stunde lang schlecht war. Hat man das geschafft, muss man etwa drei Stunden lang alle 30 Minuten in ein kleines Gerät pusten. Dabei wird die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft gemessen. Ist dieser Wert über längere Zeit hoch, wurde der jeweilige Zucker kaum oder nicht verdaut. In diesem Fall sitzt man aber dank der unnatürlich hohen Zuckerkonzentration sowieso schnell auf der Toilette. (Mit Laktosefehlverdauung kenne ich mich nicht gut aus, also verlasst euch dabei nicht auf meine Ausführungen hier.)

Wurden hohe Werte beobachtet, muss man leider eine Magenspiegelung über sich ergehen lassen, bei der eine Gewebeprobe des Zwölffingerdarms entnommen und getestet wird. Damit muss Zöliakie, also eine Glutenunverträglichkeit ausgeschlossen werden. Die Fruktose- oder Laktosefehlverdauung kann nämlich einfach ein Symptom der Intoleranz sein. In dem unwahrscheinlichen Fall muss man die Ernährung komplett auf glutenfreie Lebensmittel umstellen.
Hat man einen kompetenten Arzt (wie ich in diesem Fall), hat man eine Magenspiegelung nach zehn Minuten problemlos und schmerzfrei überstanden und ist wieder topfit (auch wenn man trotzdem nicht mehr Auto fahren sollte an diesem Tag). Ansonsten (bei mir einige Jahre zuvor) kann es schon mal zu Halsschmerzen kommen, die einige Tage andauern, und man torkelt den Rest des Tages von der Betäubung benommen durch die Welt – was mir damals in der langweiligen Physikvorlesung aber eigentlich ganz gelegen kam.

Wenn ich es richtig verstanden habe, wird Fruktose normalerweise irgendwo vor dem Dünndarm verdaut. Passiert das nicht (ich glaube, wegen fehlender Enzyme) und gelangt der Zucker dorthin, kommt es zu vermehrter Verdauungsgas- und Bläschenbildung, die zu dem aufgeblähten Gefühl und den Schmerzen führen.
Hier sei erstmal angemerkt, dass Fruktosefehlverdauung KEINE Krankheit ist. D.h. Man kann bei dieser Diagnose den ganzen Tag Fruktose zu sich nehmen, ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Es ist lediglich ziemlich unangenehm.
Soweit ich Bescheid weiß, wird Fruktose generell vom menschlichen Körper sehr schlecht verarbeitet und es scheint sehr individuelle Abstufungen zu geben. Wer hat als Kind nicht gehört: „Iss nicht so viele Kirschen (Backpflaumen, Rosinen, ...), davon bekommst du Bauchschmerzen!“? Der eine reagiert eben stärker auf den Zucker, der andere weniger stark. Vielleicht auch deshalb ist die Fruktosefehlverdauung so wenig bekannt und noch sehr schlecht erforscht. Laut neuesten Schätzungen zufolge leiden ca. 30% der deutschen Frauen und 20% der Männer an der Empfindlichkeit, also etwa genauso viele wie an Laktosefehlverdauung.

Wie lebt man nun mit dieser Diagnose?
Ganz einfach, man schränkt den Fruktosekonsum so weit wie möglich ein. Leider reicht das nicht ganz. Besonders sollte man darauf achten, bestimmte Süßstoffe bzw. Zuckerersatzstoffe zu meiden. An erster Stelle steht dabei Sorbit (Sorbitol), ein Alkohol der Fruktose. Außerdem Isomalt, Xylit und Maltit – es gibt sicher noch mehr. Vor allem Sorbit findet sich heute in immer mehr Produkten als Feuchthaltemittel oder Zuckerersatzstoff. Manchmal wird eine sorbitfreie Ernährung empfohlen, was schwer möglich ist, da schon jede Zahnpasta diesen Stoff enthält.
Letztlich muss jeder selbst testen, wieviel Fruktose er verträgt. Ich vermeide Diät- und Lightprodukte mit Süßstoffen (Wie mein Arzt schon sagte: „Selbst, wenn ich Diabetiker wäre, würde ich keine Diätprodukte essen.“) und Lebensmittel mit reiner Fruktose. Aber auch sonst schadet es sicher nicht, diese Produkte nicht zu sich zu nehmen.
Da Kristallzucker (Saccharose) vom Körper in Fruktose und Glukose (also Traubenzucker) aufgespalten wird und dies keine Beschwerden verursacht, wird davon ausgegangen, dass die Kombination dieser beiden Zuckerarten unbedenklich ist. Deswegen streuen sich viele Menschen mit Fruktosemalabsorption zusätzlich Traubenzucker über ihre Nahrung. Ich kann dazu noch sagen, dass ich problemlos Multivitaminsaft trinken bzw. möglichst viele verschiedene Früchte essen kann, während ich bei zuckerfreiem Orangen- oder Apfelsaft Bauchschmerzen bekomme. Die verschiedensten Zuckerarten und Inhaltsstoffe scheinen sich also in irgendeiner Form zu beeinflussen (ebenfalls bisher kaum erforscht).
Das einzige, was mich traurig macht, ist der Verzicht auf Honig, der leider zu einem Großteil aus Fruktose besteht.

Zum Schluss noch ein Tipp: Noch vor der Diagnose habe ich mir imogas-Kapseln in der Apotheke besorgt. Nachdem ich den Werbespot mit dem niedlichen aufgeblähtem Kugelfisch gesehen hatte, habe ich mich mal informiert, wie die Kapseln funktionieren. Der Normalzustand im Darm ist eine einzige große Gasblase, die über die Darmwand abtransportiert, von den kleinen „Es war einmal das Leben“-Blutkörperchen zur Lunge gebracht und dort ausgeatmet wird. Die Fruktose veranlasst nun aber Bläschenbildung. Die imogas-Kapseln enthalten Silikonöl, dass dann rein physikalisch die kleinen Bläschen verbindet. Da ich vor der Diagnose ja nicht wusste, ob ich nicht vielleicht eine ganz schlimme Krankheit habe, wollte ich keine Medikamente oder Enzymkuren ausprobieren, die vielleicht alles nur noch verschlimmern könnten. So kann ich die Kapseln nur empfehlen, sie sind günstig und helfen sehr schnell, wenn man doch irgendwo unbeabsichtigt zu viel Fruktose aufgenommen hat.

Ich hoffe, dieser laaange Artikel hilft irgendwo irgendjemandem...

Kommentare

Kann leider nichts an

Kann leider nichts an Information beitragen, aber die Frage zeigt ein hohes Maß an Kenntnis. Respekt. Hab' was gelernt, auch wenn ich zur Zeit bezüglich "Werbeverblödung" recherchiere.

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