Eigentlich sollte man erwarten, dass alle Parteien ökologisch sinnvolle Politik betreiben. Dies muss Ziel aller Menschen sein. Selbst oder gerade Profitgier darf uns nicht ohne ganzheitliche Betrachtung der Sache, d.h. auch unter weltverträglichen Gesichtspunkten, übermannen.
Dass es die Partei Bündnis 90/Die Grünen gibt, sagt mir, dass leider nicht alle ganzheitlich Denken. Bestes Beispiel hierfür ist die (Atom-)Energiepolitik und gleichzeitig eines der Kernkompetenzgebiete der Grünen. Sicher ist die Kernenergie eine sehr effiziente Energieerzeugungsmethode. Sicher ist sie dabei umweltschonend in Bezug auf den Kohlendioxidausstoß im Betrieb. Aber sicher ist sie nicht, oder doch? Nach Stand der Technik sind die (modernen) Anlagen extrem sicher. Es gibt wahrscheinlich neben der Luft- und Raumfahrt keine Branche, die derart viele Redundanz- und Überwachungssysteme einsetzen muss und einsetzt. Dennoch darf das Zerstörungspotential niemals verharmlost werden. Eine entscheidende Sache ist jedoch bis heute nicht gelöst: was passiert mit dem immer noch hochradioaktiven Material, nachdem es nicht mehr in den aktuellen Anlagen verwendet werden kann. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, ist die Technik keine, auf die gesetzt werden sollte. Aber laut der aktuellen Ausgabe der Technology Review gibt es auch hierfür bereits erste Ansätze: der so genannte sanfte Brüter. Bei diesem Reaktortyp würde kaum bis kein (?) radioaktives Material zur Endlagerung entstehen. Doch bis es so weit ist, kann noch einige Zeit vergehen.
Daher ist es sehr sinnvoll alternative, nach Möglichkeit regenerative, Energie zur Stromerzeugung zu nutzen. Prinzipiell klingen Wind-, Wasser- und Solaranlagen auf den ersten Blick unglaublich toll. Regenerativ und keine Umweltbelastung. Keine Umweltbelastung? Falsch! Kein Kohlendioxidausstoß. Keine gefährliche Strahlung. Aber sind auch andere Umwelteinflüsse ausreichend untersucht? Wasserkraftanlagen in Flüssen verlangsamen diese. Meist steigt auch die Temperatur. Hat dies keine weitreichenden Konsequenzen? Bei Windanlagen das selbe: auch Luftströmungen werden dadurch verlangsamt und u.U. Vogelschwärme gefährdet.
Daher bitte ich, und das fehlt mir beim Grünen-Konzept völlig, auch bei den so genannten umweltfreundlichen Anlagen um eine ganzheitliche Betrachtung! Einfach riesige Windparks zu errichten ohne vorherige Studien unter gleichzeitiger Abschaltung der anderen (nicht-regenerativen) Anlagen erscheint mir nicht sinnvoll. Vielleicht erkennen wir in einigen Jahrzehnten, dass auch die neuen Anlagen entscheidende Nachteile haben und am besten sofort ersetzt werden sollten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist auch die ökologische Landwirtschaft. In meinen Augen ist es sicher kein Fehler, möglichst nahe an der Natur zu arbeiten. Das heißt zum Beispiel neue Getreidesorten durch Züchtung und nicht durch Gentechnik zu erzeugen. Bei "Genprodukten" ist es mir irgendwie immer unwohl, ob nicht doch noch weitere Effekte auftreten, als die gewünschten. Forschung in diesen Gebieten zu verbieten, halte ich aber auch für einen falschen Ansatz.
Im Gegensatz zu den Piraten versuchen die Grünen auch in (fast) allen weiteren Gebieten Stellung zu beziehen. Allerdings sehe ich hier die Gefahr, dass die Positionen auf unzureichend Kompetenzen begründet sind und will daher auch nicht näher darauf eingehen.
Sollte ich den Grünen meine Stimme geben, dann nur weil ich will, dass die anderen Parteien grüner denken und Weltverträglichkeit endlich in allen Konzepten berücksichtigt wird. Und nicht, weil ich mit den Grünen in allen Details der Kernkompetenzen übereinstimme.
Kommentare
Congrats , good article.
Congrats , good article.
Iiih, meine Tomate hat Gene
... gut, die bei uns aus der Mensa vielleicht nicht....
Eine Partei mit dem Anspruch regieren zu wollen MUSS zu allem eine Position einnehmen, weil sie hinterher auch alles entscheiden muss.
Ähm, und wozu gibt es dann
Ähm, und wozu gibt es dann Koalitionen? Ein hervorragendes Instrument, den Parteien die Posten zu geben, wo sie die besten Kompetenzen haben. Mehr entscheidungen ins Parlament, weg von der Regierung. Und mehr "liquid democracy"! Aber Union und SPD scheinen bei dir ganze Arbeit geleistet zu haben, dass du die große Parteiendiktatur mit parlamentarischer Demokratie verwechselst. Warum z.B. wird kein Mindestlohn eingeführt und die Wehrpflicht abgeschafft? Nicht alles meine persönlichen Anliegen, aber beide Themen haben parlamentarische Mehrheiten. Nur der vom Grundgesetz ausgeschlossene, aber faktisch existierende Fraktionszwang der Regierungsfraktionen verhindert dies. Das sind grundgesetzwidrige und undemokratische Methoden, mit denen wir regiert werden. Volksparteien, also Parteien mit universellem Anspruch, stehen der Idee einer repräsentativen parlamentarischen Demokratie fundamental entgegen!
Super dann hat eine
"kleine Partei" in einer Koalition nur zu einem Thema was zu sagen und den Rest darf dann die von Dir erwähnte Union oder SPD weiterhin alleine entscheiden, weil die kleine Partei keine Meinung hat???? Mir wäre es lieber wenn sich die "kleinen Parteien" jetzt eine Meinung bilden (und sie mir kundtun) statt hinterher in den Koalitionsverhandlungen über den Tisch gezogen zu werden. Ausserdem habe ich so meine Zweifel dass unser Parlament in Abwesenheit eines Fraktionszwangs so viel "demokratischer" entscheiden würden.
Ich habe prinzipiell nichts
Ich habe prinzipiell nichts dagegen, wenn kleinere Partei nur zu bestimmten Themengebieten eine konkrete Haltung einnehmen. Allerdings müssen die Abgeordneten dann zwingend nach ihrem Gewissen und NUR nach ihrem Gewissen (wie es im Grundgesetz steht) abstimmen. Ansonsten sehe ich auch die Gefahr, dass auf anderen Themengebieten einfach abgenickt wird. Bei einer Regierungsbeteiligung wäre das sogar fatal, da direkt eine Mehrheit entstehen würde, obwohl die Mitglieder der Partei keine Ahnung davon haben und sie durch den Koalitionsvertrag zustimmen "müssen"...
@Tomate: haha... :)
Und was sagt das Gewissen, wenn...
man keine Ahnung hat: gegen Kinderpornographie sind wir doch alle, also stimmen wir mal für dieses Zugangserschwerungsgesetz. Ich denke, davon waren die meisten einfach überzeugt und zwar auch weil sie sich vorher nicht ordentlich in das Thema eingearbeitet haben.
Man kann auch immer mit
Man kann auch immer mit Enthaltung stimmen. Man muss nicht zu allem eine Haltung haben.
Man sollte aber immer die
Man sollte aber immer die Haltung wahren...
Das schließt sich ja nicht
Das schließt sich ja nicht aus: Haltung warten und sich voller Überzeugung enthalten.
Kommentar hinzufügen