DIE LINKE

Ich als Mittzwanziger bin wahrscheinlich zu Jung um die Aufregung um die Vergangenheit der Linken vollständig nachvollziehen zu können. Mich interessiert aber bei der Bundestagswahl auch nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Und für diese ist ausschließlich die Ideologie bzw. das Wahlprogramm der Partei relevant. Die Linken treten für eine sehr soziale Demokratie und Marktwirtschaft ein. Mindestlohn und Vermögenssteuer. Damit wirbt die Partei insbesondere bei der finanziell schlechter gestellten Schicht und steht damit im völligen Gegensatz zur FDP und der freien Marktwirtschaft.
Ich persönlich bin weder von einem Mindestlohn noch von einer Vermögenssteuer überzeugt. Der Mindestlohn kann meines Erachtens nie richtig festgelegt werden. Angebot und Nachfrage regeln dies besser. Allerdings darf die Nachfrage nicht unnötig gesteigert werden, wie es bei ALG II-Empfänger häufig geschieht. Das Job Center kann Arbeitslose quasi dazu zwingen einen schlecht bezahlten Job anzunehmen, da sonst sämtliche Leistungen gestrichen würden. Ein Unternehmer aus entsprechender Branche hat somit keine Notwendigkeit die Löhne zu erhöhen, wenn er auch ohne dies zu tun genügend Bewerber für seine Stellen hat.
Die Vermögenssteuer wäre, rein pragmatisch gesehen, natürlich das ideale Mittel die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. Ich sehe jedoch große Probleme bei der Umsetzung. Barvermögen könnte natürlich sehr einfach und unkompliziert versteuert werden. Wie sieht es aber mit Immobilien aus? Ist es sinnvoll, den reichen Eigentümer dazu zu zwingen, Teile seiner Häuser zu verkaufen oder gar abzugeben? Oder müssen Großaktionäre ihre Aktien zu Teilen verkaufen bzw. abgeben? Ich habe noch keine zufrieden stellenden Umsetzungsvorschläge hierzu gefunden und sehe, wie bereits an anderer Stelle diskutiert, andere bzw. bessere Mechanismen.
Ein weiteres kontroverses Thema der Linken ist die Verstaatlichung. Insbesondere bei der aktuellen Bankenrettung hätte die Linke einiges anders gemacht und u.a. die Bedingungen an Bürgschafts- und Kreditvergabe wesentlich restriktiver gehalten. Die Vorschläge auf diesem Gebiet wurden jedoch von der Regierung weitesgehend ignoriert.
Ein Streitthema ist außerdem, ob die Bahn weiter privatisiert werden soll. Im Gegensatz zur FDP ist die Linke nicht der Meinung, dass staatlich geführte Unternehmen prinzipiell schlechter agieren. So lange es keinen Wettbewerb gibt (Beispiel Bahn auf dem Großteil des deutschen Schienennetzes), stimme ich dem zu. Sobald es jedoch Konkurrenz gibt und die Rahmenbedingungen vom Staat richtig abgesteckt sind, ist die soziale Marktwirtschaft ein erfolgreiches Wirtschaftskonzept und, salopp formuliert, nicht von Planwirtschaft zu toppen.
Womit sich die Linken eindeutig von den anderen Parteien abgrenzt, ist der Wunsch eines schnellen Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan. Darüber hinaus traue ich der Linken bezogen auf die modernen Medien wesentlich mehr Kompetenzen zu als etwa der CDU, SPD oder der FDP.

Insgesamt halte ich DIE LINKE für eine sehr gute und wichtige Oppositionspartei. Streitlustig, kontroverse Ideen, ehrenwerte Ziele und ein redegewandter Spitzenpolitiker in Form von Gregor Gysi. Ein Streben nach mehr Gerechtigkeit kann nie falsch sein. Nur die Konzepte sind mir zu weit vom optimal Möglichen entfernt.

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